Wasser im Whisky

Wasser ist das Molekül, welches alles am Laufen hält. Die Wassermoleküle, die schon in den Dinosauriern steckten, können theoretisch jetzt bei uns im Körper sein oder als Regenwasser in irgendeinem Fluss im Whisky gelandet sein. Da die leichten Atome nicht gespalten werden können (jedenfalls nicht von der Menschheit), sind die Moleküle (Wasser besteht ja aus 2 Wasserstoff- und einem Sauerstoffatom, H2O) theoretisch unverändert und wandeln sich lediglich um. Wasser ist manchmal über Jahrtausende in der Tiefe der Erde, bevor es an die Oberfläche tritt oder hochgepumpt wird. Wenn man darüber nachdenkt, wird schnell klar, dass alles miteinander verbunden ist in der Natur.

Die Auswahl des Wassers wird von den Brennereien oft übertrieben dargestellt, aber die Qualität des Wassers ist ja schon entscheidend. Es fängt schon beim Einweichen der Gerste an, geht über die Fermentation bis zur Destillation. Im Newmake, der üblicherweise 63,5% hat sind also immer noch 36,5% Wasser, wenn er ins Fass geht. 

Abfüllung

Bei der Abfüllung wird der Inhalt eines oder mehrerer Fässer auf eine bestimmte Trinkstärke verdünnt. Hier trennen sich bereits zwei Möglichkeiten. Die Brennereien, die auf dem eigenen Gelände abfüllen, verwenden in der Regel auch das Wasser, mit dem der Whisky hergestellt wurde. Was aber, wenn der Whisky ganz woanders, in einer professionellen Abfüllanlage, abgefüllt wird ? Der Whisky kommt mit einem Tanklaster zur Abfüllanlage, das Wasser wird aber nicht mitgeliefert, sondern stammt vom Standort der Abfüllanlage. Hier haben wir also schon keine klare Information mehr über die Qualität des Wassers.

Die Angaben mancher Brennereien "from Barley to the Bottle" kann als Qualitätsmerkmal gewertet werden, wenn alles am Standort der Brennerei erfolgt.

Zugabe von Wasser

Viele Whiskyfans wollen Caskstrength pur genießen, dabei hat sich aber die Erkenntnis durchgesetzt, dass oberhalb von 50% die Geschmacksrezeptoren im Mund betäubt werden und kaum noch brauchbare "Signale" senden. Die Zugabe von Wasser ist also kein bloßes Verdünnen, sondern setzt im Whisky die Aromen frei, die sonst durch den Alkohol gebunden werden. Grundsätzlich kann man auch Whisky mit 40% noch mit Wasser weiter aufschließen, um die Aromen weiter frei zu setzen. Die Masterblender verkosten den Whisky übrigens nicht pur, sondern weit verdünnt auf bis zu 20%, um an den Charakter des Whiskys zu kommen. Sie trinken den Whisky auch nicht, da sie sonst schnell betrunken wären und dann das Urteilsvermögen eingeschränkt wäre. Jeder Whiskyfan kann selbst nach seinem Geschmack festlegen, wie weit verdünnt wird, da gibt es kein richtig oder falsch. Caskstrength verdünne ich zum Beispiel auch gerne auf übliche Trinkstärken von 46%, um einen Vergleich zu den Standards zu haben.

Tastings

In einem Tasting sollte daher immer ausreichend Wasser bereit stehen, einerseits zum Verdünnen, andererseits zum Trinken und Ausspülen des Mundes. Die Zunge braucht nach dem Genuss von Alkohol auch Wasser. Zum Thema Eis im Whisky siehe hier .

Auswahl des Wassers

Es sollte sich um stilles Wasser handeln. Möglichst weiches, mineralarmes Wasser. Man spricht von den "toten Franzosen" (z.B. Volvic). Steriles, destilliertes Wasser geht auch, das nehmem ja die Abfüllanlagen auch. Wer es sich nicht zu schwer machen will, nimmt einfach Leitungswasser, das gibt es ja in Schottland auch in einer Karaffe im Pub 😉.