Ardnahoe PX vs. Oloroso

Veröffentlicht am 28. März 2026 um 06:00

Ardnahoe PX vs. Oloroso Quarter Cask – Zwei Seiten derselben Insel


Die Ardnahoe Distillery steht noch am Anfang ihrer Geschichte – und trotzdem gelingt ihr etwas, woran viele scheitern: Charakter zeigen, bevor Routine einsetzt.

Mit dem Zwillingspaar "Càraid Ìleach" PX Quarter Cask und dem Oloroso Quarter Cask liegen zwei Abfüllungen vor, die auf dem Papier ähnlich wirken. Beide Sherry. Beide kleine Fässer. Beide jung.

Und doch erzählen sie völlig unterschiedliche Geschichten.

Ardnahoe PX Quarter Cask

Schon beim ersten Nosing wird klar: Hier geht es nicht um Zurückhaltung.

👃 Nase

Dicke, dunkle Süße steigt ins Glas – Rosinen, Datteln, fast schon sirupartig. Dazu gesellt sich sofort der Islay-Torf, aber nicht medizinisch, sondern eher wie warmer, leicht feuchter Rauch.

Ein bisschen wie ein Lagerfeuer, über dem jemand Trockenfrüchte karamellisiert.

👅 Gaumen

Ein regelrechter Zusammenstoß: Süße trifft Rauch. Und keiner weicht aus.

Der PX-Einfluss ist massiv – dunkler Zucker, Feigen, etwas Bitterschokolade. Der Rauch hält dagegen, breit und drückend, verhindert aber, dass es komplett ins Klebrige kippt.

🔥 Abgang

Lang, süß, rauchig – aber leicht ungestüm.

Er bleibt präsent mit Marzipan, verliert jedoch ein wenig an Klarheit, je länger er steht.

 

Subjektive Einordnung:

Das ist kein filigraner Whisky. Das ist ein Statement.

Wer Balance sucht, kann hier genauer hinschmecken. Wer süße Wucht will, ist genau richtig.

Ardnahoe Oloroso Quarter Cask

Der Oloroso wirkt im direkten Vergleich fast wie der „erwachsenere“ Bruder.

👃 Nase

Weniger Süße, mehr Struktur: geröstete Nüsse, Leder, dunkles Holz. Trauben.

Der Rauch ist trockener, kantiger – mehr Küstenwind als Lagerfeuer.

👅 Gaumen

Würze statt Zucker. Dafür mehr Frucht.

Trockenfrüchte sind da, aber deutlich kontrollierter. Dazu kommen Gewürze, Kakao, Eiche. Der Rauch integriert sich sauber und wirkt nicht wie ein Gegenspieler, sondern wie Teil des Ganzen.

🔥 Abgang

Trocken, lang und leicht salzig. Angenehm.

Er entwickelt sich eher, als dass er einfach nur nachklingt – und genau das macht ihn spannend.

Subjektive Einordnung:

Kein Blender, kein Crowdpleaser.

Der Oloroso fordert mehr – gibt dafür aber auch mehr Tiefe.

Direktvergleich – PX vs. Oloroso

Was hier besonders spannend ist:

Nicht die Qualität unterscheidet die beiden – sondern die Richtung.

  • PX: laut, süß, direkt
  • Oloroso: trockener, würzig, strukturierter mit Frucht

Der PX ist der Whisky für den Moment, in dem man sich zurücklehnen will.

Der Oloroso ist der Whisky, bei dem man automatisch ein zweites Mal riecht.

Fazit: Früh viel Charakter

Für eine noch junge Brennerei zeigt Ardnahoe Distillery hier bemerkenswert klar, wohin die Reise gehen kann.

Beide Abfüllungen profitieren von den Quarter Casks – mehr Holz, mehr Einfluss, mehr Ausdruck. Vielleicht auch ein bisschen mehr Ungeduld.

Aber genau das macht sie spannend.

Mein persönliches Fazit:

Der eine trifft dich sofort.

Der andere bleibt länger.